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3: Untersuchungsmethoden bei Nystagmus
geschrieben von: Kaesmann (IP gespeichert)
Datum: 23. April 2005 16:48

Untersuchungsmethoden bei Nystagmus


Wichtigste Untersuchungen sind selbstverständlich die Erhebung der Sehschärfe (seitengetrennt!) und eine vollständige Untersuchung aller Augenabschnitte und eine Ausmessung auf Brechkraftfehler - das Ziel sollte sein, eventuelle augenbezogene Ursachen, die behandelt werden können (zB grauer Star) zu erkennen und zu therapieren. Sollte hier keine Möglichkeit bestehen, muss duch eine optimierte Brillenanpassung versucht werden, das Netzhaut-Abbild so gut wie möglich zu gestalten.


Die weiteren Untersuchungsmethoden basieren auf den physiologischen Augenbewegungen. Getestet werden die einzelnen Augenbewegungssysteme mit adäquaten Methoden, die auch in der klinischen Routine eingesetzt werden können. Diese Untersuchungsmethoden dienen der ätiologischen Klassifizierung von Nystagmus und prüfen die Intaktheit der unterschiedlichen supranukleären Augenbewegungssysteme. Sie können auch der Differentialdiagnose von kongenitalem und erworbenem Nystagmus dienen (zum Beispiel Nachweis eines intakten OKN bei erworbenem Nystagmus).


- Kommandobewegungen
- Blicksprünge, getestet wird das FEM-Subsystem durch Fixations- und Refixationssakkaden

- Folgebewegungen
- Folgen eines Objektes innerhalb 30° von Primärposition aus, getestet wird das SEM-Subsystem und die Fixationsstabilität und das Fixationssubsystem

- Optokinetischer Nystagmus
- Der OKN dient dazu, bei unbewegt gehaltenem Kopf bewegten Objekten folgen und immer neue Objekte fixieren zu können. Auslösender Reiz sind bewegte Objekte, der OKN kann daher mittels bewegter Konturen oder einer Streifentrommel ausgelöst werden. Die Entwicklung des OKN um den 5. Lebensmonat hängt mit der Entwicklung des Binokularsehens zusammen. Bei sensorischem Nystagmus ist der OKN oft invers (schlägt entgegengesetzt der erwarteten Richtung) oder überhauupt nicht auslösbar. OKN Auffälligkeiten sind das Resultat von Läsionen in den bzw. nicht regelrecht differenzierten SEM- und FEM-Subsystemen (Troost

- Vestibulookulärer Reflex
- Puppenkopfphänomen, okulocephales Manöver. Hierbei wird der vestibulo-okuläre reflex ausgelöst und die vestibulo-okuläre Interaktion getestet. Testmethoden sind entweder schnelle Kopfbewegungen bei Fixation des Untersuchers oder Lesen bei bewegtem Kopf.

- Rotatorische Testung und kalorische Prüfung
- Die rotatorische Testung (Drehstuhl) und die kalorische Prüfung durch Warm-Kalt-Spülungen des Ohrs prüfen ebenfalls den vestibulo-okulären reflex und die Intaktheit der Bahnen zwischen Innenohr, Hirnstamm und Okulomotorischen Kerngebieten. Sie werden in der Augenheilkunde ur selten eingesetzt.



Untersuchungsgeräte, die bei Nystagmus zur Anwendung kommen

Oft sind es einfache Geräte, die einen geringen Nystagmus bestätigen können. Eine funduskopische Kontrolle der Augenbewegungen mit dem Ophthalmoskop kann gerade bei gering ausgeprägtem Nystagmus die Diagnose durch rhythmische Oszillation des hinteren Pols bestätigen.
Weitere Untersuchungsmethoden und Geräte kommen in der klinischen Routine nicht regelmäßig zum Einsatz, da sie aufwendiger sind. Sie können jedoch bezüglich der ätiologischen Einordnung, der Diagnostik der Schlagform und bezüglich der Entscheidung, ob eine nystagmusberuhigende Operation möglich ist, wesentlich helfen.
- VEP, ERG (Visuall evozierte Potentiale, Elektroretinogramm; Abklärung retinaler und optikusneuropathischer Erkrankungen)
- EOG (Elektrookulographie, Abklärung retinaler Erkrankungen)
- EMG (Elektromyographie, invasiv!)
- ENG (Elektronystagmographie)
- CT, MRT (Selten, vor allem indiziert bei erworbenem Nystagmus zum Ausschluß zerebraler Raumforderungen und Durchblutungsstörungen).




Prof. Dr. Barbara Käsmann
Univ.-Augenklinik
Kinderophthalmologie und Low Vision
Kirrbergerstr. 1
66421 Homburg
www.albinismus.info
kaesmann@albinismus.info



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