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Forschung zu den Merowinger
geschrieben von: Eva (IP gespeichert)
Datum: 01. April 2005 00:39

Forschung
Neben den schriftlichen Quellen zur Epoche der Merowinger ziehen wir heute hauptsächlich Informationen aus archäologischen Quellen. Eine archäologische Quelle ist eine Information, die nur mit Methoden der Archäologie erschlossen werden kann, d. h. erst durch ihre Ausgrabung die Kenntnisse preis gibt. In erster Linie stehen uns hierfür Gräber zur Verfügung, deren genaue Dokumentation bei der Ausgrabung (= Zerstörung) die Voraussetzung ist, für eine aussagekräftige Interpretation. Denn durch Ausgraben einer Nekropole wird sie unwiederbringlich zerstört, und daher ist es - besonders für zukünftige Fragestellungen - erforderlich, jede Kleinigkeit zu dokumentieren und auf diese Art als Information zu erhalten.

Wie in allen Disziplinen hat sich auch in der Archäologie die Fragestellung im Laufe der Zeit geändert. Waren frühe Generationen noch besonders interessiert am Fund großer Reichtümer, mit denen sie sich in die Geschichtsbücher eingetragen sahen, fragt der Frühgeschichtler dieser Tage nach den Lebensumständen auch der einfachen Bevölkerung. Zumindest wirtschaftliche Kraft und Jenseits-Vorstellung lassen sich aus dem Inventar und dem Bau (Einbauten wie Grabkammer oder einfache Baumsärge, Ausrichtung der Bestattung, etc.) eines Grabes ableiten.

Die Vorstellung, nach der zivilisierten romanischen Epoche der Spätantike folgte eine dunkle und wenig zivilisierte Zeit der Merowinger, muss heute revidiert werden. Zwar diskutiert die Frühgeschichte noch immer das Problem von Kontinuität oder Diskontinuität in der Übergangsphase von der spätantiken römischen Besatzung zum Frühmittelalter, doch kann anhand von Bodenfunden schon heute angenommen werden, dass die Merowinger einen sehr eigenen ästhetischen Anspruch an ihre Ausstattung hatten.

Neben einer sehr großen Anzahl unterschiedlichster Perlen und unterschiedlicher Trachten wurden auch mit Almandin verzierte Scheibenfibeln als Gewandnadeln getragen. Neben goldenen Schmuckplättchen trugen die Frauen aus wirtschaftlich potenten Familien zu ihrer Bestattung auch eine Vielzahl von Glasperlen unterschiedlicher Formen und Farben. In die Kleidung oder in das Leichentuch kann ein feiner Goldfaden (Goldlahn) eingewebt gewesen sein. Silberner Schmuck wie Ohrringe aber auch Gürtelschnallen oder die typisch merowingischen Beingurte, deren praktischer Charakter im Halten eines den Unterschenkel verdeckenden Tuches gesehen werden muss, sowie Ringe aus Edelmetall gehörten ebenfalls zur Ausstattung.

Sicher kann in der prachtvollen Beisetzung „adeliger“, zumindest aber wirtschaftlich besser gestellter Personen ein Gruppendruck der Gemeinschaft gesehen werden. Es kam nur in ein Grab, was sich die Familie leisten konnte aufzugeben, denn es war ja durch die Beisetzung dem Zugriff entzogen. Dass dieser Zustand nicht für alle Zeiten war, wird aus der hohen Anzahl von alt beraubten Gräbern deutlich, in denen sich Mitglieder der Gemeinschaft - in der Regel einige Zeit nach der Beisetzung - die besten Stücke des Inventars stahlen.

Seltener beraubt, weil nicht so reich ausgestattet sind die Gräber der wirtschaftlich nicht so gut gestellten Familien oder der Romanen, die ein anderes Beigabenmuster haben. Hier konnte oder wollte man nicht die wertvollen und noch für das Überleben oder den Status wichtigen Gegenstände durch die Bergung in der Erde aufgeben. So wurde in solchen Fällen früher oft und nicht ganz wertfrei von armer Bevölkerung gesprochen.

Diese Gruppe ist es auch, die Chronologie-Systeme von Archäologen ins Wanken bringen kann. Oftmals wurden Gegenstände erst aufgegeben, wenn sie völlig aus der Mode gekommen waren, und ihr Tragen keinen Wert mehr in der Gesellschaft hatte. So verschiebt sich die Beigabe etwa eines Ohrringpaares, das eine relativ begrenzte chronologische Laufzeit haben sollte, manchmal um einige Jahrzehnte und wirft eine - in der Regel generell sehr empfindliche - Feinchronologie fast um. Die Berücksichtigung auch dieser Tatsache macht die Auswertung einer archäologischen Quelle wie ein merowingerzeitliches Gräberfeld so komplex.

gefunden bei www . wikipedia.de



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