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Abtreibung nach der Diagnose Trisomie 21 (TV & Buch)
geschrieben von: Kilian (IP gespeichert)
Datum: 23. Juli 2006 10:52

Er sollte sterben, doch Tim lebt! Eine Abtreibung und ihre Folgen
3Sat
Montag, 21.08.2006
20:15-21:00 Uhr
Unter [www.tims-delfintherapie.de] ist Tims Geschichte zu lesen. Ebenso hier: [de.wikipedia.org]

Im Juni 1995 trat der Paragraf 218 mit einer Neuregelung in Kraft: Die „embryopathische Indikation“ wurde gestrichen und die bis dato bestehende zeitliche Begrenzung für Schwangerschaftsabbrüche wegen einer Behinderung oder Schädigung vor der Geburt („22-Wochen-Frist“) wurde aufgehoben. Zeitgleich entfiel auch die Beratungspflicht für Schwangere und im Rahmen der nunmehr „medizinischen Indikation“ können Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland nun praktisch bis unmittelbar vor der Geburt ohne vorherige Beratung und die Einhaltung einer Bedenkzeit vorgenommen werden.
Tim hätte aufgrund dieser Regelung sterben können und sollen. Als seine Mutter 1997 in der 26. Woche mit ihm schwanger ist, diagnostizieren die Ärzte ein Down-Syndrom (Trisomie 21). Die Mutter will das Kind „so“ auf keinen Fall. Als sie mit Suizid droht, bekommt ein junger Assistenzarzt der gynäkologischen-geburtshilflichen Station der Städtischen Kliniken in Oldenburg den dienstlichen Auftrag: Schwangerschaftsabbruch durch Einleitung einer Frühgeburt. Er verabreicht ihr das Wehen auslösende Hormon Prostaglandin.
Normalerweise ist dies das Todesurteil für ein Baby. Doch Tim kommt lebend zur Welt. In der Erwartung, dass er bald stirbt, wird er neun Stunden ohne intensive ärztliche Behandlung liegen gelassen.
Durch die Umstände seiner Geburt werden sein Gehirn, seine Lunge und seine Augen geschädigt. Monatelang steht sein Leben auf der Kippe.
Tims leibliche Eltern bleiben bei ihrer Entscheidung: Sie wollen nichts mit dem Jungen zu tun haben. Ein halbes Jahr nach der Geburt findet sich eine Pflegefamilie, die Tim aufnimmt. Dort lebt er bis heute, inzwischen ist er sieben Jahre alt.
"Der Junge könnte es viel besser haben", sagt der Pflegevater, "wenn die Spätabtreibung nicht gewesen wäre."
Auch für den Arzt, der damals die Abtreibung vornahm, ist der "Fall Tim" noch nicht erledigt. Kürzlich wurde der Mediziner zu einer Geldstrafe verurteilt. Nicht wegen der Spätabtreibung, die war legal, sondern wegen unterlassener Hilfeleistung danach.
Der Arzt beschreibt offen sein Dilemma: "Erst sollte ich das Kind umbringen, um die Mutter zu retten. Dann sollte ich alles tun, um Tim am Leben zu halten. Dabei hatte ich ihn durch die Abtreibung doch schwer geschädigt."
Das Beispiel Tim stellt das Angebot der Spätabtreibung in Frage. Längst gelten Ungeborene im sechsten Monat der Schwangerschaft als lebensfähig. Oft wird alle medizinische Kunst aufgewendet, um "Frühchen" zu retten. Oft auch dann, wenn sie so früh zur Welt kommen, dass kaum die Möglichkeit besteht, dass sie später ohne Beeinträchtigungen leben können.
Kann es vor diesem Hintergrund vertretbar, legal sein, ein Kind im selben Alter sterben zu lassen, weil es eine angeborene Behinderung hat, deren Schwere vorgeburtlich niemand sicher einschätzen kann...?



Ein interessantes Buch zum Thema Schwangerschaftsabbruch nach de Diagnose eines Down-Syndroms (Trisomie 21):

Autor: Marianne Neeb
Titel: Lysander - Grenzerfahrungen einer Mutter
ISBN: 3-8334-5230-7
Siehe auch: [www.amazon.de]

Die Anzeige in der Zeitung zeigt Engel, di ein Herz aus Blumen halten. Darin steht der Name eines Kindes: Lysander, gestorben am 2. Februar 2006. Ein Geburtsdatum gibt es nicht, denn der Junge wurde nicht lebend geboren. Er hätte im Juni 2006 ganz normal auf die Welt kommen sollen. Aber er starb im Februar 2006 bei einem Schwangerschaftsabbruch. Denn bei einer vorgeburtlichen Untersuchung wurde festgestellt, dass der Junge ein Down-Syndrom (Trisomie 21) hat. Das Buch „Lysander – Grenzerfahrungen einer Mutter“ ist das Tagebuch einer Mutter über die seelischen Folgen eines Abbruchs nach der Diagnose Down-Syndrom. Niemand bereitet Mütter auf die seelischen Folgen eines legalen Abbruchs eines zuwar behinderten, aber lebensfähigen Kindes. Frau Neeb beschreibt die Wochen zwischen Zusammenbruch und Schuldgefühlen, den langen Weg, sich selbst und anderen zu verzeihen, die zu diesem Schritt geraten haben. Das Buch beschreibt die vielen Stationen über die Phasen der Ratlosigkeit, Hilflosigkeit, über Wut, Verzweiflung und Trauer, aber auch den Weg aus der tiefen Verzweiflung heraus.

Re: Abtreibung nach der Diagnose Trisomie 21 (TV & Buch)
geschrieben von: Kilian (IP gespeichert)
Datum: 20. August 2006 17:49

Wiederholung der "Tim"-Dokumentation am Dienstag, 22. August auf 3Sat von 13.15 bis 14.00 Uhr!!



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