Forum :: Elternunterhalt.de :: Elternunterhalt, Sehr Kompliziert, Bitte um Ratschläge?
Elternunterhalt.de : Forum
 
Elternunterhalt, Sehr Kompliziert, Bitte um Ratschläge?
geschrieben von: Kalender2007 (IP gespeichert)
Datum: 23. August 2007 03:16

Mein Vater ist bald 65 Jahre alt (Rente 470€) und meine Mutter ist 61 Jahre (Rente 110€). Da meine Eltern über ein sehr geringes Renteneinkommen verfügen, sind Sie auf Grundsicherung und Sozialhilfe angewiesen.
Zurzeit leben meine Eltern in meiner eigenen Eigentumswohnung MIETFREI. Die Wohnung, in der meine Eltern Leben zu Verkaufen, kommt nicht in frage, da Sie sich sehr Eingelebt haben (Die Wohnung ist schon Komplett abbezahlt)
Da laut Finanzamt die Wohnung nicht als Unterstützung an Familienangehörige anerkannt wird, bin ich dabei die Wohnung an meine Eltern ganz offiziell, mit Vertrag zu Vermieten, für 350€ (Kalt) im Monat. Das Grundsicherungsamt würde dann für die Miete und die Nebenkosten meiner Eltern aufkommen. Von der Seite des Grundsicherungsamtes ist es auch kein Problem, die Unterstützung für meinen Vater zu übernehmen (Seine hälfte, da er schon 65 Jahre alt ist), aber da meine Mutter noch nicht 65 Jahre alt ist und nicht als Frührentner anerkannt wird, ist Sie dann auf Arbeitslosengeld II angewiesen, dass Amt müsste dann ca. 600€ für Sie an Miete/Nebenkosten und Lebensunterhalt bis zum 65 Lebensjahr zahlen. Nach ihrem 65 Lebensjahr übernimmt das Grundsicherungsamt den Rest anteilig, abzüglich ihrer Rente natürlich.

Und meine jetzige Finanzielle Lage:
Ich bin 35 Jahre alt, verdiene relativ gut, steuerpflichtig Brutto ca. 56000€/Jahr, dass sind im Schnitt ca. 3700€ Netto/Monat (inkl. Urlaubsgeld/Weihnachtsgeld), bin Verheiratet und habe Zwei Kinder( 1 und 3 Jahre), meine Frau ist Hausfrau. Ich bin auch noch gleichzeitig dabei eine Sondertilgung von ca. 46000€ (Angespartes Geld) auf mein Wohnungsdarlehen zu machen. Danach Zahle ich für meine Eigentumswohnung nur noch ca. 150€ Monatlich an die Bank, nur reine Zinsen und habe noch ca. 24000€ Restschulden auf meine Wohnung. Nebenkosten ca. 500€ Euro. Leasingfahrzeuge ca. 600€ im Monat.
Kindergeld 308€. Und natürlich die 350€ Mieteinnahmen durch die Vermietung an meine Eltern. Ich besitze 2 Eigentumswohnungen, in der eine Wohne ich mit meiner Familie und in der anderen meine Eltern !
Ich habe noch eine Schwester, bei ihr ist nichts zu holen, Sie ist ledig und Verdient (ca. 1100€ Netto).


Jetzt kommen auch meine Fragen?

Wie hoch ist ca. mein Anteil an Elternunterhalt?
Soll ich lieber keine Sondertilgung machen?
Soll ich lieber mein Angespartes Geld auf das Konto meiner Frau Überweisen?
Wenn ich meine Eltern in meiner Eigentumswohnung Mietfrei wohnen lasse, so das Amt nicht mehr für Sie Miete Zahlen muss, ist das Steuerlich Absetzbar?
Wie komme ich am besten, aus der Sache heraus?
Bin für jeden Tipp dankbar!

Danke im Voraus

Re: Elternunterhalt, Sehr Kompliziert, Bitte um Ratschläge?
geschrieben von: Betroffener (IP gespeichert)
Datum: 23. August 2007 13:28

Hallo,

unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhalts und der daraus zu entnehmenden Komplexität des Falles empfiehlt sich zur Vermeidung von unangenehmen Überraschungen Folgendes:

Sämtliche Unterlagen nehmen und zu einem Fachanwalt für Familienrecht gehen, der langjährige Erfahrung auf dem Gebiet des Elternunterhalts besitzt. Diesem den Sachverhalt schildern ( am besten schriftlich ) und um eine Stellungnahme bzw. Erstellung einer Unterhaltsberechnung bitten unter Berücksichtigung Ihrer derzeitigen familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse.

Eine andere Vorgehensweise wäre "risikobehaftet" und daher mit derzeit nicht absehbaren Folgen für die Zukunft verbunden. Falls hinsichtlich Anwälten Interesse an Informationen besteht, bitte Bundesland mitteilen, an dem der zum Elternunterhalt Verpflichtete seinen Wohnsitz hat.

Freundliche Grüsse
Betroffener

Re: Elternunterhalt, Sehr Kompliziert, Bitte um Ratschläge?
geschrieben von: HeiPei (IP gespeichert)
Datum: 23. August 2007 14:37

Sobald die Eltern 65 Jahre als sind, haben sie einen Anspruch auf Grundsicherung. Das schließt einen Unterhaltsanspruch aus, solange das steuerlichen Einkünfte i. S. d. EStG unter 100.000 Euro liegt. Also spätestens in vier Jahren ist mit Unterhalt Schluss - es sei denn, ein Elternteil muss ins Pflegeheim und benötigt dann noch zusätzliche Sozialhilfe.

Solange die Eltern an der Wohnung kein unendgeltliches Wohnrecht haben, darf man auch an seine Eltern zu marktüblichen Konditionen vermieten. Schließlich haben wir Vertragsfreiheit.

Eine Sondertilgung aus Sparvermögen, welches als Altersvorsorge (AV) geschützt (!) ist, wird anzuerkennen sein, da sich hierdurch nur die Anlageform der AV ändert. Statt der Kapitalerträge hat man nun einen höheren Wohnvorteil. Am Unterhalt wird sich deshalb nicht viel ändern.

Die Raten für eine selbstbewohnte Wohnung sind als Form der Altersvorsorge in holler Höhe (ZuT) anzuerkennen. Allerdings bleiben danach Lebensversicherungen usw. außen vor, weil die Raten für die Immobilie in aller Regel über der 5%-Grenze liegen, die der BGH für die AV gezogen hat.

Wenn ich von einem neutralen Wohnvorteil (ZuT + Grundsteuern und Gebäudeversicherungen = mögliche Miete bei Vermietung) und einer 30%-igen Steuervorauszahlung für die Miete ausgehe, komme ich auf einen Unterhalt von rund 50 €. Allerdings ist das nur ein grober Überschlag.

Hier gibt es außerdem viele Teilaspekte, die m. E. nicht höchstrichterlich geklärt sind bzw. bei denen es einen hohen Beurteilungsspielraum gibt: angemessenen AV für die nicht unterhaltspflichtige Ehefrau, Bewertung der Immobilien und des Wohnvorteils, Rücklagen/Steuervorauszahlungen für die künftigen Mieteinnahmen u. v. m.


Mein Tipp: Niemand verärgert einen Händler, von dem man noch Rabatte will! Also sollte man sich zu gegebener Zeit mit dem SA gut stellen: zügig und vollständig Auskunft erteilen und belegen. Am besten persönlich abgeben und schon einmal seine Befürchtungen äußern. Der Sachbearbeiter wird in aller Regel beruhigen - dass ist der erste Grundstein für eine wohlwollende Berechnung. Wenn dann vom SA tatsächlich noch Unterhalt verlangt wird, ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen, sich fachanwaltlich beraten zu lassen (Objektivität einfordern! Was spricht für die Berechnung des SA, was dagegen, wie hoch schätzt der Anwalt die Chancen zu den einzelnen Punkten vor Gericht ein?). Mit diesem Hintergrund ein Gespräch mit dem SA vereinbaren und verhandeln! Übrigens sollte kein SA so kurzsichtig sein, wegen 20 oder 30 € Elternunterhalt zu klagen. Des lieben Friedens willen sollte es sich auf so einen Abschlag selbst bei einfächen Fällen immer einlassen. Wenn ein akzeptables Ergebnis trotzdem nicht möglich ist, dann muss man sich verklagen lassen. Wer spätestens jetzt nicht zum Fachanwalt geht, ist naiv.



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Benutzer schreiben.