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Eltern in USA Pflegefall, Kind in Deutschland
geschrieben von: Nose (IP gespeichert)
Datum: 03. März 2007 16:28

Wie verhält es sich, wenn die Eltern in die USA ausgewandert sind, nunmehr auch die amerikanische Staatsbürgerschaft haben und ein Elternteil Pflegefall wird ?

Sind die Arbeitnehmer und die Rentner in den USA automatisch (wie in Deutschland seit 1995) pflegeversichert ?

Wenn nein, trägt dann das Sozialamt in den USA die Kosten ?

Falls das Sozialamt die Kosten trägt, kann es dann Regreß bei Kindern nehmen, die nicht in den USA, sondern in Deutschland leben und die deutsche Staatsbürgerschaft haben ?

Wenn ja, gibt es dann Freibeträge ?

Wie hoch sind diese evtl. ?

Ciao

Nose

Re: Eltern in USA Pflegefall, Kind in Deutschland
geschrieben von: Betroffener (IP gespeichert)
Datum: 04. März 2007 11:48

Hallo,

zu Ihren Fragen liegen folgende Informationen vor:

Zunächst ist es so, dass ein Elternteil auch trotz inzwischen anderer Staatsbürgerschaft weiterhin ein "Elternteil" bleibt. Also ein Vater bleibt ein Vater, gleich welche Staatsbürgerschaft er annimmt. Wenn dieser Elternteil nunmehr pflegebedürftig wird, kann ein Kind auch zum Elternunterhalt herangezogen werden.

Ungeachtet dessen sind Arbeitnehmer und Rentner in den USA nicht automatisch pflegeversichert. Auch werden die als "hartherzig" bekannten Sozialbehörden in den USA die Kosten - wenn überhaupt -maximal vorstrecken. Die Sozialbehörde wird jedoch den bedürftigen Elternteil nicht - jedenfalls nicht längerfristig - aus eigenen wirtschaftlichen Mitteln versorgen. Falls die Sozialbehörde hinsichtlich Kosten in Vorleistung geht, kann sie Regreß bei den Kindern nehmen, auch wenn diese nicht in den USA, sondern in Deutschland leben und die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Ob die amerikanischen Behörden diesen Weg tatsächlich gehen, bleibt abzuwarten. Wenn, wird dies i.d.R. über die deutsche Botschaft geschehen.

Ob es Freibeträge gibt und wie hoch diese ggf. sind, ist nicht bekannt.

Bei alledem ist zu beachten, dass die amerikanischen Sozialleistungen nicht mit den in Deutschland erbrachten und auch nicht mit Leistungen der amerikanischen Social Security Administration verwechselt werden, denn diese leistet - bei vorliegender Berechtigung - nur Altersrente ( Old Age Insurance, OAI ), Behindertenrente ( Disability Insurance, DI ) Witwenrente ( Survivors Insurance, SI ) und Waisenrente ( Survivors Insurance, SI ). Arbeitslosigkeit-, Krankheits- und Unfallversicherung sind nicht Bestandteil von Social Security.

Allerdings gibt es seit dem 30.Juli 1965 in den USA "Medicare". Dies ist die öffentliche Krankenversicherung der USA für ältere und / oder behinderte Mitbürger. Jeder Bürger ab dem 65. Lebensjahr bzw. jeder als "behindert" anerkannter Bürger kann "Medicare", das zum Teil steuer- und zum Teil beitragsfinanziert ist, in Anspruch nehmen.

Auch sollte man prüfen, ob man Leistungen von "Medicaid" in Anspruch nehmen kann. Medicaid ist eine sozialhilfeartige Leistung und setzt als Kriterium für die Bedürftigkeit eine signifikante Verarmung des Hilfeempfängers voraus.

Auch wenn die Namen ähnlich klingen, Medicare und Medicaid liegen unterschiedliche Konzepte zugrunde. Medicare richtet sich - wie bereits erwähnt - eher an Menschen über 65 Jahre und kennt Beiträge, Selbstbehalte und Vorleistungen, wie z.B. eine klassische Krankenversicherung, während Medicaid eine signifikante Verarmung des Hilfeempfängers voraussetzt. Es ist möglich, dass Hilfsbedürftige gleichzeitig Leistungen von beiden Programmen beziehen.

Im vorliegenden Fall scheint die rechtzeitige Beiziehung eines in Elternunterhalt langjährig erfahrenen Fachanwalts für Familien und oder Sozialrecht hilfreich.

Freundliche Grüsse
Betroffener




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