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Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: AV (IP gespeichert)
Datum: 09. April 2006 21:05

Wie sieht eine Unterhaltsberechnung nach dem Gesetz aus?

Wäre gut, wenn jemand hier in tabellarischer Form was stehen könnte.

Danke

AV

Re: Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: Betroffener (IP gespeichert)
Datum: 12. April 2006 17:48

Hallo,
nachstehend ein ganz grobes Berechnungsmuster als Anhaltspunkt.

Nettoeinkommen
./. Belastungen
= Bereinigtes Nettoeinkommen
./. Selbstbehalt
= den Selbstbehalt übersteigendes Einkommen
hiervon 50% als Elternunterhalt
= zu zahlender Elternunterhalt

Grüssle
Betroffener

Re: Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: MZ (IP gespeichert)
Datum: 08. Juni 2006 21:20

Hallo Betroffener,

was sind alles "Belastungen" ? Wie hoch ist der Selbstbehalt ? Und wie sieht aus mit Unterhaltsanspruch vom Ehepartner ?

Gruß u. Danke

MZ

Re: Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: Betroffener (IP gespeichert)
Datum: 09. Juni 2006 10:07

Hallo,

bin ebenfalls von der Heranziehung zum Elternunterhalt betroffen und habe daher entsprechende Erfahrungen gemacht, die ich an dieser Stelle gerne weitergebe. Da mir nicht bekannt ist, wie umfangreich Ihre Kenntnisse hinsichtlich Elternunterhalt sind, wurden die mir vorliegenden Informationen etwas ausführlicher gestaltet. Nehmen Sie einfach das für Sie Wichtige zur Kenntnis und überlesen Sie das Ihnen schon Bekannte.

1.
Grundsätzliches:
Formale Überleitung der Ansprüche auf das Sozialamt:
Sozialbehörden zeigen gegenüber dem oder den zum Elternunterhalt herangezogenen Familienangehörigen ( z.B. Ehefrau, leibliche Kinder) usw. in Form einer so genannten Rechtswahrungsanzeige nach § 94 SGB XII an, dass Ansprüche des Vaters / der Mutter auf Elternunterhalt auf die Behörde übergegangen sind. In der Regel wird man gleichzeitig zur Auskunft und Darlegung seiner Einkommens und Vermögensverhältnisse aufgefordert. Dieser Aufforderung muss ein Unterhaltspflichtiger auch nachkommen ( u.a. geregelt in § 117 SGB XII ). Bei Verheirateten ist hierbei wohl strittig, ob der – eigentlich nicht unterhaltspflichtige Ehegatte – auch Auskunft erteilen muss ( Stichwort: verdeckte Schwiegerkindhaftung ).

2.
Auskunftspflicht des unterhaltspflichtigen Kindes:
Siehe Ziffer 1

3.
Auskunftspflicht der unterhaltspflichtigen Geschwister untereinander:
Auskunftspflichtig ist nach dem Gesetz das Kind gegenüber seinen Eltern. Da Kinder gegenüber den Eltern anteilig entsprechend ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse für den Unterhalt der Eltern haften, hat der BGH eine Auskunftsverpflichtung der Geschwister untereinander aus dem zwischen ihnen bestehenden besonderen Rechtsverhältnis hergeleitet ( BGH Urteil vom 7.5.2003 – XII ZR 229/00 ).

Die unterhaltsberechtigten Eltern dürfen sich dabei nicht nur eines ihrer Kinder als "Zahlmeister" aussuchen. Vielmehr haften alle Kinder je nach ihren Vermögensverhältnissen. Dies hat zur Folge, dass sie sich nach Auffassung des Landgerichts Braunschweig (Az.: 4 S 43/97), des OLG München (Az.: 26 UF 748/00) sowie des BGH ( Urteil vom 07.05.2003, Az.: XII ZR 229/00 ) im Streitfall gegenseitig ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse offen zu legen haben.

4.
Auskunftspflicht des Ehegatten eines unterhaltspflichtigen Kindes:
Der Ehegatte eines gegebenenfalls unterhaltspflichtigen Kindes ist nicht nach dem Grundsatz von Treu und Glauben verpflichtet, über seine Einkommensverhältnisse Auskunft zu erteilen, denn eine anteilige Unterhaltsverpflichtung des Schwiegerkindes kommt nicht in Betracht, so dass es an einem Ausgleichsverhältnis fehlt. Auch wenn die anteilige Haftung von Geschwistern erst beurteilt werden kann, wenn die Einkommensverhältnisse auch der Ehegatten der
unterhaltspflichtigen Kinder bekannt sind, ergibt sich hieraus kein besonderes Rechtsverhältnis, das es rechtfertigen könnte, den Geschwistern einen direkten Auskunftsanspruch gegen den Ehegatten seiner Geschwister zuzubilligen. Die Auskünfte können von den Geschwistern untereinader ( z.B. durch gegenseitigen Austausch ) erlangt werden.

5.
Haftung:
Kinder haften für die bedürftigen Eltern. Verwandte in gerader Linie sind nämlich nach § 1601 BGB einander zum Unterhalt verpflichtet. Sind mehrere Kinder ( auch „Unterhaltsschuldner“ genannt ) vorhanden, so haften diese gem. § 1606 Abs. 3 BGB anteilig nach ihren Erwerbs- und Vermögensverhältnissen. Das Sozialamt wird in diesem Fall zum Elternunterhalt herangezogene Kinder – Leistungsfähigkeit vorausgesetzt - nur anteilig in die Pflicht nehmen können, da eines allein nicht als Gesamtschuldner haftet.

6.
Verpflichtungen des Unterhaltsschuldners / Selbstbehalt:
Vom Einkommen unterhaltsmindernd abzusetzen sind in begrenztem Umfang bestimmte Verbindlichkeiten und Belastungen des unterhaltsverpflichteten Kindes. So sind z.B. Unterhaltsverpflichtungen gegenüber getrennten oder geschiedenen Ehegatten sowie eigenen unterhaltsberechtigten Kindern, berufsbedingte Fahrtkosten, notwendige Versicherungsbeiträge, Aufwendungen für Kredite, die in Unkenntnis der bevorstehenden Unterhaltsverpflichtung eingegangen wurden, usw. vom Einkommen unterhaltsmindernd abzusetzen. Aber auch Aufwendungen für das selbstbewohnte Familienheim sind unterhaltsmindernd abzusetzen. Wohnt man in der eigenen Wohnung bzw. im eigenen Haus wird einerseits der fiktive Mietwert dem Einkommen hinzugerechnet, andererseits können jedoch alle Aufwendungen, die mit dem Erhalt des Hauses verbunden sind, abgesetzt werden, insbesondere Zins – und Tilgungsleistungen. Der Bundesgerichtshof hat in einer Entscheidung vom 26.02.1992 u.a. auch die Möglichkeit einer Rücklagenbildung für die erst in der näheren Zukunft notwendige Pkw-Ersatzbeschaffung oder für notwendige Hausrenovierungen ausdrücklich anerkannt.

Von dem danach noch verbleibenden Einkommen des unverheirateten unterhaltspflichtigen Kindes steht diesem gegenüber seinen Eltern ( Vater und / oder Mutter ) ein „angemessener Selbstbehalt“ von derzeit mindestens monatlich 1.400.-- Euro zu. Hierin sind aber Kosten für Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) in Höhe von 450.-- Euro bereits berücksichtigt. Der Selbstbehalt von mindestens 1.400.-- Euro erhöht sich, wenn das unterhaltspflichtige Kind verheiratet ist und der mit dem unterhaltspflichtigen Kind zusammenlebende Ehegatte über kein eigenes oder nur über ein geringes Einkommen verfügt. Der angemessene Unterhalt des mit dem Unterhaltspflichtigen zusammenlebenden Ehegatten beläuft sich meistens auf monatlich mindestens weitere 1.050.-- Euro, die das anrechenbare Einkommen des unterhaltspflichtigen Kindes somit unterhaltsmindernd senken. Im Familienbedarf von insgesamt 2.450 Euro ( 1.400,-- € unterhaltspflichtiges Kind + 1.050,-- € Ehegatte ) sind Kosten für Unterkunft und Heizung in Höhe von 800.-- Euro ( 450.-- € unterhaltspflichtiges Kind + 350.-- € Ehegatte) enthalten. Hat das unterhaltspflichtige Kind selbst Kinder, kommen weitere Freibeträge hinzu.

Sollte nach Abzug aller berücksichtigungswürdigen Aufwendungen noch ein Resteinkommen verbleiben, ist dieses nach der neueren Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 19.03.2003 in der Regel nur zur Hälfte für den Elternunterhalt einzusetzen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf § 43 Abs. 2 SGB XII hinweisen, mit dem eine jährliche Einkommensgrenze von 100. 000 € eingeführt wurde, bis zu der Kinder Einkommen beziehen können, ohne dass Unterhaltsansprüche ihrer Eltern gegen sie bei der Gewährung von Grundsicherung im Alter berücksichtigt werden. Es gilt die gesetzliche Vermutung, dass das Einkommen des unterhaltspflichtigen Kindes diese Grenze nicht überschreitet.

Das Sozialamt wird daher zum Elternunterhalt herangezogene Ehegatten und / oder Kinder im Ergebnis nur dann zur Zahlung heranziehen können, wenn der Ehegatte und / oder die Kinder zum Zeitpunkt der Bedürftigkeit ihrer Mutter und / oder ihres Vaters nach Abzug der unter Ziffer 6 auszugsweise aufgeführten Ausgaben aus juristischer Sicht leistungsfähig sind, d.h. insbesondere deren Vermögen deren angemessene Altersvorsorge übersteigt was im Rahmen dieses Forums jedoch nicht abschließend beantwortet werden kann. Im Übrigen ist die Rechtsprechung hierzu nicht einheitlich.

Ungeachtet dessen sollte man als zum Elternunterhalt herangezogenes Kind beachten, dass der dem Unterhaltsverpflichteten gemäß § 1603 Abs. 1 BGB zu belassende angemessene Selbstbehalt einschließlich Altersvorsorge nach der dem Einkommen, Vermögen und sozialen Rang entsprechenden Lebensstellung des Verpflichteten zu bemessen ist. Eine spürbare und dauerhafte Senkung seines berufs- und einkommenstypischen Lebensstandards braucht der Unterhaltsverpflichtete nicht hinzunehmen es sei denn, er betreibt unangemessenen Aufwand oder lebt im Luxus. Die Frage was Luxus ist, habe ich durch einen Fachanwalt für Sozialrecht klären lassen. Demnach ist z.B. ein Zweitwagen nicht unbedingt als Luxus einzustufen. Im Übrigen ist das unterhaltsrechtlich relevante Einkommen nicht gleichbedeutend mit dem Nettoeinkommen, wie vielfach falsch dargestellt wird. Wie bereits erwähnt, können nämlich zunächst eine Reihe von Ausgaben vom Nettoeinkommen abgezogen werden. Der dann zum Schluss übrig bleibende Betrag ist der Betrag, der Ausgangspunkt für die Beurteilung ist, ob überhaupt vom Einkommen Unterhalt gezahlt werden muss. Im Grundsatz gilt, dass alle notwendigen Ausgaben, insbesondere für Versicherungen, Kredite etc., die bereits vor Bekanntwerden der Unterhaltspflicht bestanden haben, anerkannt werden müssen, da bei Begründung der Verbindlichkeiten die Unterhaltsschuld nicht bekannt war. Diese wird nämlich erst durch die bereits erwähnte Rechtswahrungsanzeige offiziell bekannt. Ab Zugang der Rechtswahrungsanzeige ist daher der möglicherweise Unterhaltspflichtige in seiner bzw. sind die möglicherweise Unterhaltspflichtigen in ihrer Vermögensdisposition beschränkt

7.
Vermögen / Schonvermögen:
Ein zum Elternunterhalt herangezogenes Kind kann gehalten sein, Vermögen für den Unterhalt der Eltern einzusetzen. Ihm ist aber ein höheres Schonvermögen zu belassen. Wohnt das unterhaltspflichtige Kind im eigenen Haus oder besitzt es eine vermietete Immobilie, ist ihm ein Betrag von ca. 25.000,- € zu belassen. Besitzt das Kind keine Immobilie, sind ihm ca. 75.000,- € zu belassen. Hierbei ist zu beachten, dass die Höhe der zugestandenen Freibeträge je nach Bundesland unterschiedlich ist. Warum, weißt nur der liebe Gott.

8.
Beantwortung Ihrer Frage:
Die Beantworung Ihrer Frage dürfte durch die Ausführungen unter Ziffer 6 gegeben sein.

9.
Das Sozialrecht ist sehr umfangreich. Ich habe mich daher auf meinem Weg durch einen Fachanwalt für Sozialrecht beraten ( nicht vertreten ) lassen, was sehr hilfreich war. Man kann sich wohl aber auch von einem Fachanwalt für Familienrecht beraten und / oder vertreten lassen. Im vorliegenden Fall würde ich in jedem Fall einen Anwalt der bereits genannten Fachrichtung aufsuchen und mich von diesem anwaltlich vertreten lassen!


Grüssle
Betroffener

Re: Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: Horst (IP gespeichert)
Datum: 17. Juni 2006 17:39

Eine gesetzliche Grundlage zur Berechnung des sog. Elternunterhalts, den es außer noch in Belgien, in Europa nicht gibt, kenne ich NICHT.
Die indirekte Schwiegerkindhaftung wurde vom BGH "durch die Hintertür"
eingeführt, ist eigentlich Gesetzesbruch.
Nach § 1601 BGB gibt es nur die ( formale ) Haftung ( 1. Verwandtschaftsgrad ) beim Eltern-/Verwandtenunterhalt.
RA Jörn Hauß FamRZ-Buch 21, Christine Klein interna Verlag haben neue Bücher zum Elternunterhalt herausgegeben. Siehe auch Suchmaschinen zum Thema.
Baczko arbeitet ebenso an einer Info-Broschüre.

Ich selbst habe seit 18.Februar 2006 eine Öffentliche Petition in Sachen Elternunterhalt laufen.

Re: Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: Betroffener (IP gespeichert)
Datum: 18. Juni 2006 13:01

Als ebenfalls von der Heranziehung zum Elternunterhalt Betroffener nachstehend Informationen zu dem von Horst ins Forum gestellen Beitrag:

1.
Gesetzliche Grundlage:
Als gesetzliche Grundlage zur Berechnung des sog. Elternunterhalts kann im weitesten Sinne das Sozialgesetzbuch ( SGB ) XII und hier § 82 ff „Begriff des Einkommens“ gewertet werden. Die im Streitfall u.a. mit der Berechnung von Elternunterhalt befassten Amtsgerichte – Familiengerichte - ( AG ), Landgerichte ( LG ) ziehen bei ihren Entscheidungen i.d.R. auch die von den jeweiligen Oberlandesgerichten ( OLG`s ) herausgegebenen Leitlinien bei, in denen die gesetzliche Grundlage größtenteils präzisiert wurde ( z.B. Was ist Einkommen, was sind Ausgaben usw. ).

2.
Von den Sozialbehörden angewandte Berechnungsmethode:
Die von den Sozialbehörden angewandte Berechnungsmethode beruht zumeist darauf, dass der Naturalunterhaltsanspruch des z.B. zum Elternunterhalt herangezogenen verheirateten Kindes gegen dessen Ehemann ermittelt und über diesen Weg der Selbstbehalt des zum Elternunterhalt herangezogenen verheirateten Kindes im Verhältnis zu ihrer Mutter und / oder ihrem Vater reduziert wird mit der Folge, dass sich eine zumindest teilweise Leistungsfähigkeit des zum Elternunterhalt herangezogenen verheirateten Kindes ergibt. Dies führte letztlich dazu, dass die Ehepartner der unterhaltsverpflichteten Kinder zumindest indirekt den Unterhalt der Schwiegereltern, gegenüber denen sie nicht unterhaltsverpflichtet sind, zu finanzieren hätten und zwar auf Kosten ihres eigenen Lebenszuschnittes. Im Bereich von nicht erheblich über dem Durchschnitt liegenden Einkünften der Ehegatten entspricht es nämlich in der Regel der Lebensgestaltung der Familie, dass beide Ehegatten ihre jeweiligen Einkünfte - mit Ausnahme kleiner Beträge für ihren persönlichen Bedarf - voll für den Familienunterhalt zur Verfügung stellen und die Familie einen entsprechend hohen Lebensstandard genießt. Dieser Lebensstandard der Familie, der zu einem Zeitpunkt aufgebaut wurde, als mit der Inanspruchnahme durch die Eltern seitens der Ehegatten nicht gerechnet werden musste, wird jedoch dadurch beeinträchtigt, dass nach der von den Sozialbehörden zumeist angewandte Berechnungsmethode das unterhaltspflichtige Kind einen Teil seiner Einkünfte für den Elternunterhalt abzweigen soll und dieser daher dem Familieneinkommen nicht zur Verfügung steht. Dies hat zur Folge, dass auch der Lebenszuschnitt des Ehepartners, der diese Lücke nicht schließen kann, weil sich seine Einkünfte nicht erhöhen, beschnitten wird. Das ist jedoch nicht hinnehmbar, da dies, wie Duderstadt (Erwachsenenunterhalt, 2. Auflage, Neuwied, Kriftel, Luchterhand 1998, S. 145) zu Recht ausführt, auf eine " verschleierte Schwiegersohnhaftung" hinausläuft, die gegen § 1601 BGB verstößt. Diese u.a. auch von einem BHG Senat vertretene Ansicht entspricht auch den Grundsätzen, die der BGH in seiner Entscheidung vom 11.2.1987, FamRZ 1987, S. 472ff zum Volljährigenunterhalt aufgestellt hat. Der BGH hat in dieser Entscheidung eine Heranziehung des unter dem Selbstbehalt verdienenden Elternteils, der mit einem besser verdienenden Ehepartner verheiratet ist, zur Unterhaltszahlung für das volljährige Kind allenfalls dann in Erwägung gezogen, wenn der von dem erwerbstätigen neuen Ehegatten zu leistende Familienunterhalt so auskömmlich ist, dass der gegenüber den Kindern aus der früheren Ehe barunterhaltspflichtige Elternteil daraus im Sinne des § 1603 Abs. 1 BGB angemessen unterhalten wird. Bezogen auf die Verpflichtung zur Leistung von Aszendentenunterhalt, die im Verhältnis zum Volljährigenunterhalt die schwächere Unterhaltsverpflichtung darstellt, ist von einem in diesem Sinne auskömmlichen Einkommen des Ehepartners nur in überdurchschnittlich guten wirtschaftlichen Verhältnissen auszugehen, weil in solchen Fällen nur eine relativ geringfügige Beeinträchtigung des Lebenszuschnitts der Familie des unterhaltspflichtigen Kindes gegeben ist, die selbst unter Berücksichtigung des Vorrangs dieser Familie vor dem Aszendentenunterhalts ( Anmerkung: Aszendentenunterhalt = Verwandtenunterhalt ) hingenommen werden kann. Diese Überlegungen führen letztlich dazu, dass nach Auffassung des Senats in der Regel allein maßgebend das Einkommen des unterhaltspflichtigen Kindes ist. Nur wenn dieses Einkommen den Selbstbehalt übersteigt, kommt eine Unterhaltsverpflichtung in Betracht.

In Fällen, wo das Einkommen des zum Elternunterhalt herangezogenen Kindes den Selbstbehalt von mindestens 1.400,-- Euro jedoch nicht übersteigt und ein Vorliegen von überdurchschnittlich guten Einkommensverhältnisse nicht ersichtlich ist, ist auf Seiten des zum Elternunterhalt herangezogenen Kindes eine Leistungsfähigkeit im Sinne des § 1603 Abs. 1 BGB nicht gegeben.

Selbst wenn man dieser Auffassung nicht folgt und das Einkommen des im Verhältnis zu seinen Schwiegereltern nicht unterhaltspflichtigen Ehepartners mit berücksichtigt, führt dies nicht automatisch zur Annahme der Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Kindes. Hierbei ist nämlich zu berücksichtigen, dass eine Steigerung der Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen nicht dadurch angenommen werden kann, dass er mit einem gutverdienenden Ehepartner verheiratet ist. Vielmehr ist eine Kontrollberechnung erforderlich, um festzustellen, ob der Unterhaltpflichtige auch ohne Berücksichtigung des Ehepartners leistungsfähig wäre ( BHG, FamRZ 1987, 472ff ). Diese Kontrollberechnung, die von fiktiven Einkünften aus Vollzeiterwerb ausgeht, ( was im Rahmen des Aszendentenunterhaltes durchaus fraglich ist ) führt hier ebenfalls dazu, dass mangels Leistungsfähigkeit des zum Elternunterhalt herangezogenen Kindes ein Unterhaltsanspruch nicht besteht.

Der Bundesgerichtshof ( BGH ) bestätigte im Jahr 2004, dass erwachsenen Kindern beim Unterhalt für ihre Eltern ein Selbstbehalt von 1.150 Euro verbleiben muss. ( Anmerkung hierzu: Der Selbstbehalt beträgt seit 01.07.2005 Euro 1.400.-- monatlich. ) Wer aber durch das Einkommen des Ehegatten finanziell abgesichert sei, müsse auch über diesen «Selbstbehalt» hinaus etwas vom eigenen Verdienst für die Heimkosten der Eltern abgeben. Einkommen, das nicht für den Familienunterhalt, sondern zur Vermögensbildung verwendet werde, stehe "grundsätzlich für Unterhaltszwecke zur Verfügung". (AZ: XII ZR 69 / 01 - Urteil vom 14. Januar 2004). Unter bestimmten Bedingungen müssen daher nicht nur die Kinder, sondern auch deren Ehegatten für die Heimkosten der Schwiegereltern aufkommen. Besonders bei einkommensstarken, also gutverdienenden Familien kann ein Teil des Vermögens, das über den angemessenen Familienunterhalt hinausgeht, für den Elternunterhalt eingefordert werden – auch für die Schwiegereltern.

Letztlich entstand u.a. auch durch das vorgenannte Urteil die von Horst angeführte „indirekte Schwiegerkindhaftung“, die unter Berücksichtigung von § 1601 BGB in der Tat fraglich erscheint, da es bei enger Auslegung dieses Paragraphen nur die von Horst angesprochene ( formale ) Haftung ( 1. Verwandtschaftsgrad ) beim Eltern-/Verwandtenunterhalt gibt. Jedenfalls ist in § 1601 BGB von Schwiegersohn und / oder Schwiegertochterhaftung nicht die Rede, was darauf hindeutet, dass der Gesetzgeber diese auch nicht in die Haftung nehmen möchte.

Bei alledem sollten sich von der Heranziehung zum Elternunterhalt Betroffene von der teilweise sehr gewöhnungsbedürftigen Rechtsauffassung und / oder Rechtsauslegung der Sozialbehörden nicht entmutigen lassen. Die Beiziehung eines kompetenten und erfahrenen Fachanwalts für Familien und / oder Sozialrecht wirkt oft Wunder. Ohne einen Anwalt der genannten Fachrichtung mit den Sozialbehörden zu verhandeln ist wie wenn man ohne erfahrenen Dompteur in ein Raubtierkäfig geht. Heraus kommt immer etwas, es ist nur die Frage was...

Grüssle
Betroffener


Re: Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: Infojunkie (IP gespeichert)
Datum: 18. Juni 2006 19:26

kann mir jemand mitteilen, in wie hoch das schonvermögen in berlin ist?

Re: Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: Betroffener (IP gespeichert)
Datum: 18. Juni 2006 21:55

Hallo,

ist mir nicht bekannt. Würde einfach bei dem für den Wohnort zuständigen Sozialamt eine Auskunft einholen und / oder ggf. einen in Berlin ansässigen Fachanwalt für Familienrecht, der sich auch mit Elternunterhalt beschäftigt, um Auskunft bitten.

Betroffener

Re: Unterhaltsberechnung (Elternunterhalt)
geschrieben von: Horst (IP gespeichert)
Datum: 19. Juni 2006 19:42

Die Handhabung wie nahezu "ALLES" beim Elternunterhalt ist sehr unterschiedlich. Vorher schlau machen ist immer wichtig. Fragen Sie in Berlin besser einen Fachanwalt für Sozialrecht UND Familienrecht.
E i n e Beratung zahlt nach ( besser ) Vorabfrage die RSV.

Horst , Betroffener



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.06.06 21:52.



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